Die Rollenspieler


Jeder hat ein Bild von ‚Rollenspieler-Freaks’ im Kopf, die immer wieder gemeinsam der realen Welt entfliehen wollen. Chipsfutternde Informatiker, nach Patchouli duftende Grufties, die bei Kerzenlicht zusammensitzen und fantastische Handlungen ersinnen oder Deadlockbezopfte, die wie wildgewordene Orks schwerterschwingend durch den Wald rennen.

a7 möchte wissen, was am Rollenspiel kollektiv ist. Ob es sich um Freundschaft der realen Personen handelt oder nur Zusammenkunft der Charaktere ist? Wer spielt welchen Charakter und warum? Wie funktioniert ein Kollektiv von Rollenspielern und wie unterscheiden sie sich von anderen, von uns untersuchten Gruppen?

Wir untersuchen dazu drei verschiedene Spielarten und Genres des Rollenspiels nach Fragesetzungen der Kollektivität. Hierfür nehmen wir an den Spielrunden eines mittelalterlichen Fantasy-Live-Rollenspiel und zwei in Hildesheim spielende Gruppen (Shadowrun und Call of the Cthulhu) teil. Auf diesem Weg wollen wir innere Strukturen herausfiltern und Gemeinsamkeiten und Unterschiede finden.

Die Band

Die Band unterscheidet sich insofern von anderen Kollektiven wie Pfadfindern, Bundeswehr oder auch Rollenspielern, dass auf kein festgeschriebenes Regelwerk/ Verhaltenskodex, keine vorgefundene Form zurückgegriffen werden kann, die von den einzelnen Individuen mit ihrem Eintritt in das Kollektiv übernommen werden. Durch Kombination der Fähigkeiten, Ansprüche und Vorstellungen der Einzelpersonen formt sich das Bandkollektiv durch Kommunikation und Kompromiss erst im Moment des Zusammenschlusses. Input und Output? Wie beeinflussen individuelle Veränderungen die Band, die Produktivität, die Musik, das Image, die Intensität der Zusammenarbeit? Der Bedeutung dieser variablen Wechselwirkung zwischen Band und Individuum stehen fest verankerte Stereotypen und Klischeevorstellungen über Verhalten und Attitüden gerade von Rock- und Popbands gegenüber, zu denen sich die Band bewusst oder unbewusst positioniert. Denn die Frage ist nicht, was Rock ist, sondern wann es Rock ist.

Für TestFeld arbeiten die 5 Musiker der Hildesheimer Band Great Dust mit a7 zusammen. Eines der Themen ist die neunjährige Bandgeschichte, von a7 abstrahiert, von Great Dust musikalisch inszeniert.

Link zur Band: www.greatdust.de

Die Bauchtänzerinnen

Mit weichen, schlangenartigen Bewegungen und kreisenden Hand- und Armbewegungen gleiten die kostümierten Tänzerinnen durch den Spiegelsaal. Im Mittelpunkt: Der Bauch, die Hüfte und das Gesäß. Welche Legenden kreisen um den Bauch? Woher stammt diese Tanzform und wer findet sich wöchentlich im Tanzsaal zusammen?

a7 begibt sich auf Spurensuche. Ein Hildesheimer Bauchtanzkollektiv, das bereits 10 Jahre das gemeinsame Interesse teilt, öffnet seine Tanzsaalpforten und lädt ein, mitzutanzen. Wir beobachten, testen und arbeiten gemeinsam mit dem Frauenkollektiv an einer künstlerischen Umsetzung, die es gilt, in die Kaserne zu transportieren.

Die Bundeswehr

Die Bundeswehr ist eines der größten Kollektive überhaupt. Doch nicht nur durch ihre Größe, sondern auch durch die streng hierarchische Struktur grenzt sie sich deutlich von den anderen untersuchten Gruppen ab. Regelwerk, Dienstgrad, Tagesablauf, Umgangsform, Disziplin, Abzeichen und Uniform prägen das Kollektiv Bundeswehr. Die Wehrpflicht führt dazu, dass dieser Zusammenschluss nur bedingt freiwillig ist.
Interessant wird dadurch insbesondere die Grundausbildung der Wehrdienstleistenden. Hier kommen junge Menschen erstmals mit der Bundeswehr in Kontakt. In unterschiedlichen Konstellationen gilt es die jeweils gleichen Ziele, wie beispielsweise das Auseinander- und Zusammenbauen des Gewehres, zu erreichen. Im Ernstfall zählt jedoch nicht nur die Technik, sondern gerade das gegenseitige Vertrauen ist von existentieller Bedeutung. So ist es entscheidend, dass in kurzer Zeit zwischen den Mitgliedern ein starkes Gemeinschaftsgefühl aufgebaut wird. Welche Rolle spielen dabei der Ausbilder, das Erleben von Extremsituationen oder auch die gemeinsame Freizeitgestaltung? Wie entsteht der Zusammenhalt in der Gruppe? Gibt es diesen Zusammenhalt wirklich? Wie formieren sich unterschiedliche Individuen unter gleichen Umständen immer wieder neu?

Die Pfadfinder

spannen ein weltweites Netzwerk, deren kleinste Einheit regional organisierte Stämme sind. Gemeinsam wird gezeltet, gelernt, gespielt und gesungen. Geschwisterlichkeit und tätige Solidarität ganz nach dem Motto "jeden Tag eine gute Tat" sind nur zwei ihrer Leitlinien. Welchen Strukturen unterliegen die einzelnen Stämme und welche Freund- oder Feindschaften pflegen sie zu anderen Pfadfindern?

Was ist die individuelle Faszination am Pfadfindersein und gibt es ein gemeinsames, kollektives Ziel? Lagerfeuerromantik oder Trainingscamp fürs Leben?
A7 taucht ein in die Welt des Zeltbaus und Knotenflechtens und versucht somit aktiv am Pfadfinderleben teilzunehmen. Gelingt das Vorhaben?

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